Warme Worte
Tom Seefried ist Webdesigner & Programmierer. Eigentlich. Sagt man. Der Tom singt auch - nicht besonders gut - aber er singt. Sagt man. Schreibt eigentümliche Lieder. Auf Bayerisch/Österreichisch. Nicht besonders gut, aber er schreibt. Soll er doch.

Hat er aber lang nicht mehr. Warum? Weil's eh keiner hören mag? Weil er rein optisch in keine Casting-Show passt? Weil eh schon alle wirklich guten Songs geschrieben und gesungen sind? Weil die Leute nur genormte Kacke hören wollen? Keine Ahnung.

Aus irgendeinem Grund hat aber dieser Tom wieder Lunte gerochen, die - inzwischen doch schon recht alte - Stratocaster ausgepackt und Songs für sich selbst und "wer's halt hören mag" erdacht.

Für dieses Vorhaben hat er sich über Weihnachten 2003 mit einem Auto voller musikalischer Spielzeuge erst mal für knappe vier Wochen in das Anwesen seines Bruders auf Korfu verbracht. Dem Geist - oder besser "dem MYTHOS" (Vorsicht--> doppelter Insidergag) - von Sissi sei Dank, sind auf dieser Odyssee (!) einige Songs zustande gekommen, die die Welt eigentlich nicht braucht. Aber was braucht die Welt schon?

Nach etwa zwei Wochen hat sich aber die 8-Spur-Maschine auf ungeklärte Art und Weise verabschiedet, so dass Tom einigermaßen braun gebrannt nach Mitteleuropa zurückkehren konnte. Ansonsten wäre das hier wohl ein 5-CD-Konzept-Album geworden.

Bald darauf ist Naomi gestorben.

Im Mai 2004 reist Tom abermals gen Süden, diesmal auf den Privat-Campingplatz seines Bruders Andreas. Merkwürdigerweise kamen hier die eher "fröhlichen" Songs zustande. Der Mensch liebt (braucht?) Verdrängung.

"Corfu Radio", ein - leicht zynischer Song über den tiefen Süden Korfus - oder "Cafe Harley" sind ein Zeugnis davon. Kleiner Tipp am Rande für alle Korfu-Reisenden: Cafe Harley in Agios Georgios Argirades.

Ein Sammelsurium von durchgeknallten Individuen, die sich sonst NIE an einem Ort treffen würden: von Bikern über pubertierende Teenies bis hin zu trinkfreudigen Rentnergangs, alles da. Und am Ende eines Abends versteht sich alles, hat sich alles lieb, tauscht Telefonnummern und Wimpel. Natürlich unter Aufsicht diplomierter deutsch-griechischer Sozialpädagogen ;-) Sehr geil. Toms Mutter (Jahrgang 1926) ist hier freiberufliche Kuchenbäckerin und Oberkellnerin (wenn's brennt ;-)

Das Freiluftstudio machte großen Spaß. Gesangsaufnahmen waren nur am frühen Abend möglich - bei Windstille und Feierabend der albanischen Elektro-Sensen-Brigade. Dennoch bekundeten streunende Hunde (oder gar Wölfe???) und Glühwürmchen-Armeen ihre Antipathie gegenüber bayerischem Versmaß.

Alles in allem hat Tom Seefried hier aber ein rundes Werk abgeliefert. Textlich irgendwo zwischen Melancholie und Zuversicht, musikalisch einfach gehalten, authentisch halt. Manu Chao, Radiohead, STS, Bad Religion und rumänische Zigeunermusik könnte man im weitesten Sinne als Einflüsse anführen. Radiotauglichkeit wird allerdings definitiv ausgeschlossen. Wer diese Scheibe erwirbt sei gewarnt!

Thema vieler Lieder ist Naomi. Und eigentlich ist diese CD auch für sie. Auch, wenn ihr – genau aus diesem Grund – "CORFU RADIO" nicht sonderlich gefallen hätte. Das hätte sie mit ihrem unbeschreiblichen Charme und ihrer Ehrlichkeit schon zu verstehen gegeben.

Ansonsten bleibt zu hoffen, dass der ein oder andere mit der Scheibe was anfangen kann. Rückmeldungen und Kritik sind sehr erwünscht.